Rhabarber antreiben im Februar: Mit einer Glashaube starten Sie Wochen früher

Rhabarber antreiben im Februar: Mit einer Glashaube starten Sie Wochen früher

Der Rhabarber zählt zu den ersten Gemüsesorten, die im Frühjahr geerntet werden können. Doch wer nicht bis April oder Mai warten möchte, kann mit einer einfachen Methode nachhelfen: dem Antreiben unter einer Glashaube bereits im Februar. Diese traditionelle Technik ermöglicht es Hobbygärtnern, die Ernte um mehrere Wochen vorzuziehen und dabei besonders zarte, milde Stangen zu erhalten. Die Kombination aus Wärmespeicherung und Lichtschutz schafft ideale Bedingungen für ein beschleunigtes Wachstum, während die Pflanze gleichzeitig vor Spätfrösten geschützt wird.

Einführung in den Anbau von Rhabarber unter einer Glashaube im Februar

Grundprinzip des Antreibens

Das Antreiben von Rhabarber basiert auf einem simplen Prinzip: durch das Abdecken der Staude mit einer Glashaube oder einem Tontopf wird ein Mikroklima geschaffen, das die Bodentemperatur erhöht und gleichzeitig das Licht reduziert. Die Pflanze reagiert auf diese Bedingungen mit verstärktem Längenwachstum, da sie nach Licht sucht. Bereits ab Mitte Februar können die Hauben über die austreibenden Knospen gesetzt werden.

Historischer Hintergrund

Diese Methode hat ihren Ursprung in der englischen Gartentradition des 19. Jahrhunderts. Dort wurden speziell geformte Terrakotta-Glocken verwendet, um frühen Rhabarber für die gehobene Gastronomie zu produzieren. Die sogenannten forcing pots sind bis heute in traditionellen Gärten zu finden und gelten als bewährtes Werkzeug für Qualitätsgärtner.

Optimaler Zeitpunkt

Der ideale Moment für das Aufsetzen der Glashaube liegt zwischen Mitte Februar und Anfang März, abhängig von der regionalen Klimazone:

  • Milde Regionen: ab Mitte Februar möglich
  • Kühlere Lagen: besser erst Ende Februar bis Anfang März
  • Bergregionen: Verschiebung bis Mitte März ratsam

Die richtige Vorbereitung im Spätwinter entscheidet maßgeblich über den Erfolg dieser Methode und führt zu den gewünschten Ergebnissen.

Vorteile der Verwendung einer Glashaube

Beschleunigtes Wachstum

Unter der Glashaube kann die Ernte um drei bis vier Wochen vorgezogen werden. Die erhöhte Temperatur und der Schutz vor Wind aktivieren die Rhizome früher als unter normalen Bedingungen. Die Stangen erreichen bereits im März eine Länge von 30 bis 40 Zentimetern, während ungeschützte Pflanzen erst deutlich später austreiben.

Verbesserte Qualität

Die im Dunkeln oder Halbdunkel gewachsenen Rhabarberstangen weisen besondere Merkmale auf:

  • Zartere Textur durch reduzierte Faserbildung
  • Geringerer Oxalsäuregehalt
  • Milderer, weniger saurer Geschmack
  • Hellere, oft rosa bis cremefarbene Färbung
  • Längere, schlankere Stangen

Vergleich der Anbaumethoden

KriteriumMit GlashaubeOhne Schutz
ErntezeitMärz bis AprilApril bis Mai
Stangenlänge30-50 cm25-40 cm
GeschmackMild, zartKräftig, säuerlich
OxalsäureReduziertNormal

Diese Vorteile machen die Methode besonders attraktiv für Feinschmecker und alle, die den Frühling kulinarisch kaum erwarten können. Um diese Ergebnisse zu erzielen, ist jedoch eine sorgfältige Vorbereitung des Bodens erforderlich.

Bodenbereitung und Installation der Hauben

Vorbereitung der Rhabarberstaude

Bevor die Glashaube aufgesetzt wird, sollte der Boden rund um die Pflanze gründlich gelockert werden. Entfernen Sie altes Laub und Unkraut im Umkreis von mindestens 50 Zentimetern. Eine Schicht aus gut verrottetem Kompost oder Pferdemist fördert die Nährstoffversorgung und erhöht die Bodentemperatur zusätzlich.

Auswahl geeigneter Hauben

Verschiedene Materialien eignen sich für das Antreiben:

  • Glashauben: traditionell und dekorativ, gute Wärmespeicherung
  • Terrakotta-Töpfe: atmungsaktiv, mit Deckel zur Kontrolle
  • Kunststoffglocken: preiswert und leicht zu handhaben
  • Eimer oder große Töpfe: praktische Alternative für Einsteiger

Richtige Installation

Setzen Sie die Haube vorsichtig über die austreibenden Knospen, ohne diese zu beschädigen. Die Haube sollte mindestens 40 Zentimeter hoch sein, um ausreichend Wachstumsraum zu bieten. Drücken Sie den Rand leicht in den Boden, um Windanfälligkeit zu reduzieren. Bei Glashauben mit Belüftungsloch kann dieses zunächst geschlossen bleiben.

Nach der Installation beginnt die entscheidende Phase der Pflege, die über Erfolg oder Misserfolg der Methode entscheidet.

Pflege und Betreuung des Rhabarbers unter der Haube

Bewässerung

Trotz der Abdeckung benötigt der Rhabarber regelmäßig Feuchtigkeit. Heben Sie die Haube alle drei bis vier Tage an und prüfen Sie die Bodenfeuchtigkeit. Bei Trockenheit gießen Sie mäßig, vermeiden Sie jedoch Staunässe. Der Boden sollte gleichmäßig feucht, aber nicht nass sein.

Temperaturkontrolle

An sonnigen Tagen kann es unter der Haube zu Überhitzung kommen. Achten Sie auf folgende Warnsignale:

  • Kondenswasser an der Innenseite der Haube
  • Welke oder schlaffe Blätter
  • Temperaturen über 20 Grad unter der Abdeckung

Lüften Sie bei Bedarf durch kurzzeitiges Anheben der Haube oder öffnen Sie vorhandene Belüftungslöcher.

Kontrolle des Wachstumsfortschritts

Überprüfen Sie wöchentlich den Zustand der Stangen. Die optimale Erntelänge liegt bei 30 bis 40 Zentimetern. Entfernen Sie bei der Kontrolle eventuell auftretende Blattläuse oder Schnecken sofort, da diese unter der geschützten Umgebung ideale Bedingungen vorfinden.

Wenn die Stangen die gewünschte Größe erreicht haben, steht die Ernte unmittelbar bevor und damit der Höhepunkt der Arbeit.

Frühe Ernte und Ertragsmaximierung

Richtige Erntetechnik

Ernten Sie die Rhabarberstangen nicht mit dem Messer, sondern drehen Sie sie vorsichtig am Ansatz heraus. Fassen Sie die Stange nahe der Basis, drehen Sie sie leicht und ziehen Sie sie mit einer sanften Bewegung nach oben. Diese Methode verhindert Fäulnis am Rhizom und fördert neues Wachstum.

Erntemengen und Häufigkeit

PflanzalterEmpfohlene ErntemengeErntehäufigkeit
2-3 Jahre30-40% der Stangen1-2 mal
4-5 Jahre50-60% der Stangen2-3 mal
Über 5 JahreBis 70% der Stangen3-4 mal

Pflanzenschonung

Lassen Sie nach der ersten Ernte unter der Haube mindestens ein Drittel der Stangen stehen. Diese versorgen das Rhizom mit Nährstoffen und sichern die Vitalität für die Hauptsaison. Entfernen Sie die Glashaube nach der Frühernте vollständig, damit die Pflanze sich regenerieren kann.

Mit der richtigen Nachbehandlung lässt sich die Erntesaison noch weiter ausdehnen und der Gesamtertrag deutlich steigern.

Tipps zur Verlängerung der Rhabarbersaison

Gestaffelte Abdeckung

Setzen Sie nicht alle Hauben gleichzeitig auf, sondern gestaffelt im Abstand von zwei Wochen. So erhalten Sie über einen längeren Zeitraum frische Stangen und vermeiden Ernteüberschuss zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Düngung nach der Frühernте

Unterstützen Sie die Pflanze nach dem Entfernen der Haube mit einer Kompostgabe und organischem Dünger:

  • Kompost: 3-4 Liter pro Quadratmeter
  • Hornspäne: 80-100 Gramm pro Quadratmeter
  • Brennnesseljauche: verdünnt 1:10, alle zwei Wochen

Schutz vor Spätfrost

Auch nach dem Entfernen der Glashaube können Spätfröste auftreten. Halten Sie Vlies oder alte Bettlaken bereit, um die jungen Triebe bei Frostgefahr kurzfristig zu schützen. Dies bewahrt bereits entwickelte Stangen vor Schäden und sichert die Kontinuität der Ernte.

Mehrjährige Planung

Treiben Sie nicht jedes Jahr dieselbe Pflanze an. Wechseln Sie zwischen verschiedenen Rhabarberstöcken, um Erschöpfung zu vermeiden. Eine Ruhepause von mindestens einem Jahr zwischen intensiven Frühernten erhält die Langlebigkeit und Produktivität der Stauden.

Die Methode des Antreibens mit Glashauben verbindet traditionelles Gärtnerwissen mit praktischem Nutzen. Durch die gezielte Manipulation von Licht und Temperatur lassen sich bereits ab März zarte Rhabarberstangen ernten, die geschmacklich und in der Textur deutlich von der späteren Freilandernte abweichen. Die Investition in Hauben und die sorgfältige Pflege zahlen sich durch frühe Erträge und verlängerte Genusszeiten aus. Wer diese Technik beherrscht, kann die Rhabarbersaison erheblich ausdehnen und dabei die Qualität der Ernte nachhaltig verbessern.